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Das erste Chorfoto im Jahre 1984
Die Aurelius Sängerknaben Calw wurden 1983 von Hans-Jörg Kalmbach gegründet und standen von 2001 bis Sommer 2007 unter der künstlerischen Leitung von Johannes Sorg. Im Frühjahr 2008 hat Bernhard Kugler das Amt des künstlerischen Leiters übernommen.

Mit der Namensgebung erinnert die Institution an Aurelius, den ersten Patron des Klosters Hirsau in Calw, das über Jahrhunderte hinweg entscheidende Impulse für die abendländische Kultur gegeben hat.

Die Aurelius Sängerknaben Calw pflegen geistliche und weltliche Chormusik mit  verschiedensten Aufgabenstellungen und Besetzungen.
In den letzten Jahren entwickelte sich der gemischte Chor zu einem gefragten Klangkörper, der mit eigenen A-cappella-Programmen und Oratorien auftritt. Der Chor arbeitete mit namhaften Orchestern zusammen – beispielhaft seien die Wiener Philharmoniker, das Chicago Symphony Orchestra, das Radiosinfonieorchester Stuttgart und die Staatskapelle Berlin genannt. Immer wieder konzertiert das Ensemble unter bekannten Dirigenten, darunter Claudio Abbado, Herbert Blomstedt, Sylvain Cambreling, Michael Gielen, Krzysztof Penderecki und Carl St. Clair. Im Jahr 2006 und 2007 war der Knabenchor unter Pierre Boulez mit Mahlers 3. und 8. Symphonie in Berlin zu hören. Die CD-Einspielung von Mahlers 8. Symphonie unter Pierre Boulez (Deutsche Grammophon) wurde mit dem Record Academy Prize Tokyo 2007 ausgezeichnet. Außerdem wurde den Aurelius Sängerknaben Calw im Jahr 2007 der Robert Edler Preis für Chormusik zuerkannt.

Neben den chorischen Auftritten haben sich die Aurelius Sängerknaben Calw in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Knabensolisten einen Namen gemacht. So singen die Aurelius Sängerknaben Calw regelmäßig das Terzett in Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ an in- und ausländischen Bühnen, u.a. an der Staatsoper Berlin Unter den Linden, an der Komischen Oper Berlin, an der Oper Frankfurt, am Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Weiterhin waren die Solisten der Aurelius Sängerknaben Calw zu Gast bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, am Badischen Staatstheater Karlsruhe, beim Mozartfest Würzburg sowie an den Opernhäusern von Straßburg, Nizza, Toulouse, Lissabon und Madrid. 
Auch weitere solistische Rollen wie zum Beispiel die Partie des Miles in Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“, der Hirte in Richard Wagners „Tannhäuser“, Son of Macduff in Ernest Blochs „Macbeth“, Fjodor in Modest Mussorgskijs „Boris Godunow“ sowie der Hirte in Giacomo Puccinis „Tosca“ werden regelmäßig von Solisten der Aurelius Sängerknaben Calw übernommen.

 

Wie kam es zu „Aurelius“?

Hans-Jörg Kalmbach
Gedanken zu den Aurelius-Anfängen

Einen Chor für besondere Aufgaben (Bach – Mozart?) hätte ich schon immer gern gehabt. Erst dachte ich an eine Art Christophorus-Kantorei – ein Vorbild meiner Jugend. Aber das Feld war – zumindest in Calw- schon besetzt. Es gab leistungsfähige Chöre unter Gerold Wunsch (VHS-Kammerchor und HHG-Kurrende) und unter dem neu angetretenen Bezirkskantor Bernhard Reich, der gerade sein neues Terrain mit Geschick und Zielstrebigkeit bestellte. So war Jugendchorarbeit ohne unerwünschten Konkurrenzstress nicht denkbar.
Es sei denn, man fände eine Marktlücke. So gab es exotische Vorbilder – an die heranzukommen nicht zu denken war. Als Kind schon hatte ich den kristallinen Klang der Stuttgarter Hymnus-Chorknaben in der Neubulacher Kirche als Faszinosum empfunden. Und als Student begeisterte mich Nikolaus Harnoncourt mit Schallplatten-Aufnahmen von Schlüsselwerken der Chor-Orchester-Literatur, bei denen er die Wiener und die Tölzer Sängerknaben mit ins Boot holte.
Für mich ein Fernziel – diese Denkblockade aber riss mein Bruder Michael am Weihnachtsfest 1982 bei mir ein, als er vorschlug, einfach in Calw einen Knabenchor zu versuchen. Ich dachte sofort an ein Hirngespinst, war jedoch von der Idee so angetan, um sie wenigstens meinen Vorgesetzten den damaligen Oberbürgermeister Karl-Heinz Lehmann und den Musikschulleiter Dieter Haag vorzutragen. Deren Begeisterungsfähigkeit gab mir den Mut, wenigstens einen Probeschuss zu wagen. Und so wurden während der Calwer Premiere von Mozarts „Entführung“ 1983 die Einladungszettel zu einem Knabenchor-Pilotprojekt unters Volk gestreut.
Siebzig Knaben stellten sich einem Vorsingen. Und so konnten wider Erwarten mehrere kleine Chorgruppen gebildet werden – etwa zehn bis fünfzehn Buben waren zu bändigen in jeder Formation. Die Hirsauer Kirchengemeinden waren wertvolle Paten der ersten Zeit – so gab die katholische Gemeinde ihren Segen zu Namensgebung und ideeller Unterstützung, die evangelische stellte gleich die notwendigen Räume und einen ehrenamtlichen Mitarbeiter, Werner Röhm, zur Verfügung. So begann das Pflänzchen in Hirsau immer stärker zu wachsen und zu gedeihen.
Ein berserkerhafter Optimismus gestattete es, dass schon nach sechs Wochen des Bestehens der Sängerknaben ein Auftritt in der Öffentlichkeit für möglich gehalten wurde. Irgendwie urig war es schon – das verwöhnte Hirsauer Publikum musste aber schon kräftig schlucken, um die relativ unverbildeten Töne aus naiven Kinderkehlen am 16. Dezember 1983 als erhebendes Vorweihnachtskonzert zu begreifen.
Ein Frühlingskonzert im Liebenzeller Spiegelsaal, etliche kleinere Verpflichtungen und in der Adventszeit 1984 die Weihnachtsgeschichte von Carl Orff zeigten, dass der neue Chor nicht daran gehindert werden wollte, sich einen Platz im Konzertleben der Stadt Calw zu erobern. Nicht verschwiegen werden darf, dass in dieser Pionierzeit die Elternschaft beispielhaft die gesamte Logistik bewältigte – ein Elterngremium ergriff in Absprache mit dem Träger Musikschule alle erforderlichen Maßnahmen, da ein Aurelius-Büro damals noch nicht existierte.
Das Hochzeitsfest eines früheren Tölzer Stimmbildner-Kollegen im Schloss Fuschl lieferte die Information, dass das Badische Staatstheater Karlsruhe drei Knaben für die Zauberflöte suche – für die Tölzer zu wenig lukrativ und daher uninteressant. Für die Calwer Knaben aber war das die Chance! Ein Telefonat, eine Vorladung zum Casting – und drei Aurelius-Sängerknaben konnten als die ersten Solisten aus der Calwer Stimmschmiede ihre Bewährungsprobe ablegen auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Bernhard Weinmann, Sascha Ulfig, Andreas Kramer!
Die Premiere fand am 19. September 1987 statt – Aufbruch in ein neues Aurelius-Zeitalter, das erst knapp vier Jahr zuvor zaghaft begonnen hatte.
 

Chor-Stationen
 
1983 
1. Probe 04.11.
1. Konzert 16.12. in St. Aurelius
 
1988
Video-Produktion Kindermusical Stubbeltatz 
mit dem SWF
 
1990
Konzertreise nach Italien (Apulien)
Musical "Oliver" Theather Pforzheim
 
1991 
Konzertreise Freiburg und ins Elsaß
 
1992
Missa brevis Nr.1 F-Dur von J.S.Bach
Konzertreise nach Südfrankreich
Konzertreise nach Moskau (Internationales Fetival der deutschen Kultur in Russland)
Te Deum von H. Berlioz mit dem Tölzer Knabenchor unter Claudio Abbado
 
1993
Konzertreise nach Sachsen
J.S. Bach Matthäus Passion
TV-Aufzeichnung für Weihnachtssendung mit dem SWF 
 
1994
Konzertreise nach Moskau
 
1995
Konzertreise ins Saarland
Konzertreise nach Italien (Südtirol und Rom)
Weihnachtsoratorium
 
1996
Konzertreise nach Ungarn und Österreich
Weihnachtshisorie von Heinrich Schütz mit CD-Aufnahme
 
1997 
Konzertreise nach Norddeutschland
Domstufenfestival Erfurt "Mass"
Mozart Requiem
TV-Aufzeichnung "Orf Weihnachtsgeschichte" mit SWR
 
1998
Konzertreise Konzertreise Ratingen und Trier (Bach-Tage Ratingen)
Konzertreise Tauberbischofsheim und Thalbürgel
Mitwirkung im ARD-Spielfilm "Verschwinde von hier"
Tournee mit dem SWR-Orchester (8. Symphonie von G. Mahler)
 
1999
Konzertreise nach Tiengen und Schaffhausen (Schweiz)
Festakt zum 60.Geb Ministerpräsident Teufel
Georgenäum wird erste eigene Chorheimat
 
2000
Konzert des Männerensembles im Berliner Dom
Konzertreise nach Japan
Chichester Psalms mit SWR-Radio Sinfonie Orchester unter Carl St. Clair
 
2002
Männerensemble erreicht 1.Platz beim "Deutscher Chorwettbewerb" in Osnabrück
Konzert in der Berliner Philharmonie zum 125. Geb. Hermann Hesse mit Chichester Psalms von L. Bernstein
Weihnachtskonzert im Frankfurter Dom
 
2003
Konzert in der Liederhalle zum 70. Geburtstag von H. Rilling und in Berlin, Gendarmenmarkt zum 1. Ökumenischen Kirchentag (Credo von K. Penderecki)
Pollicino von H. W. Henze im Rahmen der Klosterspiele Hirsau
Lukas-Passion von K. Penderecki beim Festival für Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd
Eröffnungsgottesdienst des "Europäischen Musikfestes Stuttgart" in der Stiftskirche 
 
2004
Auftritte im Kloster Neresheim und Kloster Lorch
Konzertreise nach Litauen
Bachs „Weihnachtsoratorium“

2005
Strawinsky: Psalmensinfonie mit den Stuttgarter Philharmonikern
„Johannes-Passion“ von J. S. Bach
Joseph Haydn: „Die Schöpfung“
Uraufführung von Ingo Bredenbachs „Des Kaisers neue Kleider“
Auftritt im „Tigerentenclub“ des SWR
Konzertreise nach Belgien

2006
Projekt: Chorakademie mit Aufführungen der „Carmina burana“ von Carl Orff
Konzertreise nach Friedrichshafen und Basel
Mahler, Sinfonie Nr. 3 unter Pierre Boulez in Berlin
Weihnachtsauftritte im SWR-Hörfunk und SWR-Fernsehen
Weihnachtskonzert mit Friedrich von Thun im Festspielhaus Baden-Baden
CD-Produktion „Hollywood Songs“

2007
Mahler, Sinfonie Nr. 3 und Nr. 8 unter Pierre Boulez in Berlin
Mitwirkung des Knabenchors bei einer CD Mahler 8. Sinfonie (Deutsche Grammophon)
Konzertreise „War Requiem“ unter Helmuth Rilling

 

Der heilige Aurelius

 Älteste Darstellung des hl. Aurelius (12. Jh.)

Vom heiligen Aurelius ist überliefert, daß er ein armenischer Bischof gewesen und im Jahr 475 in Mailand gestorben sei. Bischof Noting von Vercelli erhielt in der Regierungszeit Kaiser Ludwig des Frommen (814-840) aus Mailand die Gebeine des Bischofs und brachte sie nach Hirsau. Die erste Aureliuskirche mit Kloster wurde in den Jahren 830 bis 838 errichtet. 

Bei dem Besuch Papst Leos IX. 1049 wurden die Aurelius-Reliquien wiederentdeckt, die Aureliuskirche und das Kloster wiederhergestellt und erweitert (1059-1071). Erneut wurde der Heilige zum Schutzpatron der klösterlichen Gemeinschaft. 

 Das Bild entstand um 1480 und zeigt die Aureliuskirche wie sie damals aussah. Vorne links der hl. Aurelius und der hl. Benedikt. Ihnen gegenüber einige Adlige. Die Fahne zeigt das Wappen der Calwer Grafen, das heutige Calwer Stadtwappen.
 

1079 wird das Hirsauer Kloster unter Abt Wilhelm zum Zentrum der cluniazensischen Reformbewegung in Deutschland. Unter der antipäpstlichen Politik Heinrich IV strömten zahlreiche mächtige Männer nach Hirsau, so daß es über 150 Mönche wurden. 

Die Hirsauer Reformbewegung bedeutete aber auch eine Ausweitung der Ideen weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinaus. Bestehende Klöster übernahmen die Hirsauer Reform, neue Klöster wurden im Geiste Hirsaus gegründet. Sichtbar wurde der Einfluß Hirsaus vor allem durch die "Hirsauer Bauschule". 

Unter dem Zustrom der Massen wurde das St. Aureliuskloster zu klein. So wurde 1082 auf dem Bruderberg jenseits der Nagold der Grundstein für ein neues Kloster gelegt. Am 20. Mai 1091 wurde die St. Peter und Paulskirche, die größte romanische Kirche im ehemaligen Württemberg, eingeweiht. 

 Der hl. Aurelius, Glasfenster von Wilhelm Geyer, 1955

Die Mönche fühlten sich ihrem Heiligen auch nach dem Umzug in das  große Kloster verbunden. In der Zeit der Klosterreform im 15. Jahrhundert erfuhrt die Aureliusverehrung einen neuen Aufschwung. 1489 übertrug man die Reliquien in die St. Peter und Paulskirche. 

Da die Reformation mit den bisherigen Formen der Heiligenverehrung bewußt brach, konnte man 1557 die wertlos gewordenen Gebeine dem katholisch gebliebenen Grafen Wilhelm Werner von Zimmern überlassen. Als Erbe an die Grafen von Zollern gelangt, wurden sie 1690 dem Kloster Zwiefalten geschenkt. Der heilige Aurelius wurde nun im barocken Zwiefalten als Glaubenskämpfer und einer der Klosterpatrone besonders verehrt. 

Auf herzöglichen Befehl wurde 1584 mit dem Abbruch der St. Aureliuskirche begonnen. Die Kirche wurde bis auf den heute noch bestehenden Teil des Langhauses abgetragen und als "steinerne Scheuer" der Forstverwaltung übergeben. 
1588-1592 läßt Herzog Ludwig neben dem St. Peter und Paul Kloster das Jagdschloß, vermutlich mit den Steinen der Aureliuskirche erbauen. 
1648 Westfälischer Frieden. Hirsau wird protestantisch. 
1692 wird das St. Peter und Paul Kloster und das Jagdschloß durch den franz. General Melac zerstört. Die Ruinen dienen als "Steinbruch". 
1892 ging der Bau der Aureliuskirche durch Kauf in Staatseigentum über, blieb aber bis 1954 profanem Gebrauch (u.a. Turnhalle, Autogarage) vorbehalten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden für die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen im protestantischen Württemberg die katholischen Zentren ausgebaut. So wurde die St. Aureliuskirche wieder entdeckt. 

                                                                                   Die Aureliuskirche heute

Anläßlich der Wiederherstellung der Aureliuskirche kehrte 1956 ein kleiner Teil der Reliquien des Heiligen Aurelius aus Zwiefalten nach Hirsau zurück. 
(Ökumenisches Heiligenlexikon)